OHRENSCHMERZ
chronischer Ohrenschmerz

Ein Ohrenschmerz muß nicht zwingend von den Ohren selbst ausgehen. Als sog. fortgeleiteter Schmerz kann ein Ohrenschmerz auch bei Affektionen (= Störungen, Erkrankungen) in anderen Bereichen des Kopfes auftreten:

Das Organ "O hr" besteht aus drei Anteilen. Die äußeren Ohren bestehen aus der Ohrmuschel (Auricula), dem äußerem Gehörgang (Meatus acusticus externus) und reicht bis zum Trommelfell. Das Mitteloh r leitet den Schall vom äußeren O hr weiter zum Innenoh r. Das Innenoh r befindet sich im Felsenbein und enthält das eigentliche Hörorgan (Corti Organ). Das Mitteloh r steht mit dem Nasen/Rachenraum über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) in Verbindung.

Anatomie des Ohres
(als Organ)

Quelle: www.kyvos.de

Häufige Ursachen für einen Ohrenschmerz:

Eine En tzündung des Innenohres und Gleichgewichtsorganes (Labyrinthitis) ist eher selten, kann aber neben einem Ohrenschmerz zu Hörverschlechterung, heftigem Drehschwindel und Geräuschen in den Ohren (Tinnitus) führen.

Öfters strahlen Zah nschmerzen in die Ohren aus. Auch im Rahmen eines Her pes zoste r ot icus kann es zu einem Ohrenschmerz kommen. Gleiches gilt für die Glossopharyngeusneuralg ie oder Intermediusneuralgie.

Im Rahmen der sog. orofa zialen Dys funktion kann es ebenfalls zu einem Ohrenschmerz kommen. Als orofaziale Dysfunktion fasst man im Sinne eines Oberbegriffes Schmerz en im Bereich von Ges icht, Na se, Ohren und Kiefergelen k zusammen, manche Autoren schließen auch die Halswi rbelsäule mit ein. Hauptsächlich handelt es sich allerdings um einen Gesich ts- und Kieferschmerz.

Seltener führt das Pocessus-styloideus-Syndrom zu einem Ohrenschmerz. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch länger anhaltende bohrende und drückende, halbseitige Gesichtsschmerzen, die oft mit seitengleichen Kopfschmerzen vergesellschaftet sind. Hinzu können einseitige Schmerz en im Schlund- und Rac henbereich mit Schluck- und Geschmacksstörungen treten.
Das
Pocess us-sty loideus-Synd rom ist ein häufig verkanntes Krankheitsbild, weil die Beschwerden oft unspezifisch sind. Die Schmerzsymptomatik kann sich auf den ganzen Hals ausdehnen und / oder in das Oh r ausstrahlen.

Nicht selten verbleibt trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin ein Ohrenschmerz (chronischer), so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach dem Schmerz und dessen Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach der Ursache richten.

Dabei ist eine spezielle schmerztherapeutische Methode auch bei einem Schmerz in den Ohren sehr hilfreich, nämlich die wiederholte Blockade (Betäubung) des Gangl ion stella tum mit einem lang wirkenden örtlichen Betäubungsmittel (Lokalanästhetika). Das Ganglion stellatum ist eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich. Wird diese betäubt, bzw. blockiert, so kommt es in der gleichseitigen Kopfhälfte neben der erwünschten Schmerzlinderung zu einer enormen Durchblutungssteigerung, wie sie sonst mit keinem Medikament erreicht werden kann. Unter optimierten Durchblutungsverhältnissen heilen alle En tzündungen sicher ab, aus diesem Grunde ist eine solche Behandlung gerade bei einem entzündlich bedingten Ohrenschmerz auch kurativ (= heilend).
Es reicht aber nicht aus, diese Blockade nur ab und zu durchzuführen, sondern es ist eine gehäufte Abfolge erforderlich, so z. B. ein bis zwei mal täglich über 10 Tage, was allerdings einen stationären Aufenthalt voraussetzt. Aus Sicherheitsgründen kann die Blockade aber jeweils nur einseitig durchgeführt werden. Liegt der Ohrenschmerz beidseitig vor, so erfolgt die Behandlung z.B. zunächst nur links und anschließend rechts.

Daß Lokalanästhetika auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.
Geht der Ohrenschmerz von einer Entzündung im Bereich des äußeren Gehörgangs und/oder der Ohrmuschel aus, ist auch eine mehrmals tägliche, lokale (= örtliche) Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Lidocain-Spray) sehr zu empfehlen.

Hilfreich sind bei einem Ohrenschmerz auch engmaschig wiederholte Blockaden des Ganglion cervicale superius (= eine vegetative Schaltstelle hinter dem Rach en), allerdings erfolgt diese Blockade als GLOA (= Blockade mit einem Opium-ähnlichen Wirkstoff). Bei entzündlichen Schmerzursachen ist diese Methode jedoch weniger angezeigt, da die sympathikolytische (= gefäßerweiternde) und damit durchblutungssteigernde Komponente allenfalls gering ausgeprägt ist.

Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden. Dieses Wahlrecht wurde mittlerweile auch durch Urteile von Landessozialgerichten bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05) und Hessen ((Az.: L 1 KR 2/05: Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen (eine Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst zu)). Der Kläger hatte die Kur noch während des laufenden Prozesses in der von ihm bevorzugten Einrichtung auf eigene Kosten angetreten. Seine Krankenkasse wurde dazu verurteilt, ihm die Kosten für die Kur zu erstatten.
Ein Recht, die Reha-Klinik selbst auszuwählen (gilt auch für Anschlußheilbehandlungen), haben nach §9 Sozialgesetzbuch IX nicht nur Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen, sondern Versicherte aller gesetzlichen Rehabilitationsträger, also auch Rentenversicherungen oder Unfallversicherungen. Die deutsche Gesellschaft für medizinische Rehabilitation hat dazu eine informative Broschüre herausgegeben: http://www.degemed.de/pdf/Klinik_nach_Wunsch.pdf.

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