Wir informieren über die

Stellatumblockade
                                    Unser "Diagnosefinder"                                         
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Indikationen (= Anzeigen) für eine Stellatumblockade (= Blockade des Ganglion stellatum, eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) sind Durchblutungsstörungen und Schmerzen, die auf eine vegetative Dysfunktion (= Funktionsstörung) im gleichseitigen oberen Quadranten (= Körperviertel) (Kopf-, Hals- oberer Brust- und Armbereich) zurückzuführen sind. Das Gangl ion befindet sich paarig ventral (= davor) der Querfortsätze des 6. und 7. Hals- und 1. Brustwirbels.
Die Indikation zu einer Stellatumblockade (auch mit Katheter) ist nicht nur auf Schmerzzustände beschränkt. Sozusagen als "Nebenwirkung" sahen wir deutliche Besserung bei Tinnitus und auch bei einem vestibulären (= vom Innenohr ausgehenden) Schwindel. Auch kann ein akuter Hörsturz und eine Thrombose der Arterie (= Schlagader) centralis retinae günstig beeinflußt werden (Astra Chemicals 1989).

Bei der single shot (= einmalige, einzeitige) Stellatumblockade bevorzugen wir den ventralen (= von vorne) Zugang. Der Einstich erfolgt am medialen Rand des M. sternokleidomastoideus (= schräg verlaufender Halsmuskel) in Höhe der Cartilago cricoidea (= Ringknorpel des Kehlkopfs).

Dosierung: 5 (-10) ml z.B. Bupivacain 0,25-0,5% .  

Bei gelungener Stellatumblockade kommt es zu einem positiven Horner-Syndrom (Ptosis (= Herabhängen des Oberlids), Miosis (= Engstellung der Pupille) und Enophthalmus (= Zurücksinken des Augapfels in die Augenhöhle)).

Mögliche Komplikationen bei dem Versuch, eine Stellatumblockade durchzuführen:

Kontinuierliche Stellatumblockade mit Katheter (= eingepflanzter, dünner Kunststoffschlauch): 

Der Zugang erfolgt paratracheal (= neben der Luftröhre). Dazu liegt der Patient auf dem Rücken, mit einem Kissen quer unter den Schulterblättern, so daß Kinn und Brustbein sich in gleicher Höhe befinden. Der Einstich der Verweilkanüle (18G) erfolgt wie bei der Single-shot-Technik (= einmalige Blockade) über dem Querfortsatz des 6. Halswirbels, also paratracheal (= neben der Luftröhre) in Höhe des Schildknorpels (bei Patienten mit kurzem Hals eher am Unterrand des Schildknorpels). Bei einigermaßen schlanken Patienten kann an dieser Stelle der Querfortsatz des 6. Halswirbels getastet werden.

Wenn man dem Patienten die Hand längs auf die Brust legt, so daß das Endglied des Zeigefingers die Fossa jugularis (= Grube am oberen Ende des Brustbeins) ausfüllt, ist die Einstichstelle der Schnittpunkt der achsenparallelen Fortsetzung des lateralen Mittelfingerrandes mit dem schräg verlaufenden Vorderrand des M. sternocleidomastoideus (= schräg verlaufender Halsmuskel). Es empfiehlt sich, den Schnittpunkt auf der Haut zu markieren. Um den Implantationsvorgang möglichst kurz zu halten (der Patient soll dabei nicht schlucken), ist es vorteilhaft, die Hautnaht zur Fixation (= Befestigung) des Katheters vor Einstechen der Kanüle (= Hohlnadel) vorzubereiten, damit der Katheter sofort nach Abstreifen der Verweilkanüle eingeknotet werden kann. Nach Lokalanästhesie der Einstichstelle wird die Kanüle ohne Verschlußkappe senkrecht eingeführt und langsam vorgeschoben, bis in ca. 2-3 cm, maximal 3,5 cm Tiefe Knochenkontakt erfolgt. Ohne die Kanüle etwas zurückzuziehen, wie bei der Single-shot-Technik, wird nun die innere Stahlkanüle gegen den Katheter (Innendurchmesser 0,45 mm) ausgetauscht und dieser bis zum Widerstand vorgeschoben. Beim nachfolgenden Abstreifen der Plastikkanüle muß der Katheter ständig nachgeschoben werden, damit die Katheterspitze in derselben Position verbleibt. Dann wird der Katheter sofort mit der vorbereiteten Hautnaht sicher fixiert (= befestigt).

Wird der knöcherne Widerstand beim Vorschieben der Kanüle verfehlt, muß die Stichrichtung mehr nach kranial (= oben) oder kaudal (= unten) variiert werden. Wird beim Vorschieben der Kanüle ein Blutgefäß getroffen, muß sofort abgebrochen werden. Nach Kompression (= Abdrücken) über mehrere Minuten kann ein weiterer Versuch unternommen werden. Da das Zielgebiet keine größere Varianz erlaubt, ist es sinnvoll, diesmal zuvor den M. sternocleidomastoideus zusammen mit der tieferliegenden Arteria carotis mit 3 Fingern nach lateral (= seitlich) abzudrängen. Die neue Einstichstelle befindet sich dann durch die Hautverschiebung weiter medial als die vorher angezeichnete, jedoch in gleicher Höhe.

Nach negativer Aspiration (= Ansaugung) wird eine probatorische (= versuchsweise) Stellatumblockade mit z.B. 5- 8 ml Bupivacain 0,5% durchgeführt. Bei erfolgreicher Stellatumblockade kommt es zum Horner-Syndrom (Ptosis (= Herabhängen des Oberlids), Miosis (= Engstellung der Pupille) und Enophthalmus (= Zurücksinken des Augapfels in die Augenhöhle)). Zusätzlich setzt homolateral (= auf der gleichen Seite) eine verstärkte Tränenproduktion und Erwärmung der Gesichtshälfte ein.

Therapeutische Dosierung bei kontinuierlicher Stellatumblockade: 5-10ml z.B. Bupivacain 0,15 bis 0,25%, alle 5-6 Stunden, je nach individueller Wirkzeit.

Zur wiederholten therapeutischen Stellatumblockade reicht es aus, wenn die genannten Blockadesymptome (= Betäubungszeichen) jeweils lediglich angedeutet oder mäßig ausgeprägt auftreten.

Wird eine mehr kaudale (= nach unten) Ausbreitung gewünscht, muß das Volumen (= die Menge) erhöht werden (bis zu 20ml).

Mögliche Komplikationen und Kontraindikationen (= Gegenanzeigen): Wie bei der Single-shot-Methode (siehe oben), katheterbedingt ist das Infektionsrisiko (= Eindringen von Mikroorganismen, z.B. Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten, die sich dann vermehren) höher einzustufen.

Die wiederholte Stellatumblockade (gilt auch für andere Nervenblockade n) mit Katheter bietet gegenüber der Single-shot-Methode wesentliche Vorteile. Wenn der Katheter einmal korrekt implantiert (= eingepflanzt) ist, sind die Folgeblockaden von gleichbleibender Qualität. Das methodische Risiko, das bei jeder Single-shot-Injektion erneut gegeben ist (versehentliche intravasale Injektion (= Einspritzen in ein Blutgefäß), Traumatisierung (= Verletzung)) bleibt auf die einmalige Implantation (= Einpflanzung) beschränkt. Die Blockadefrequenz kann deutlich erhöht werden. Besonders unter stationären Bedingungen können die Blockaden lückenlos rund um die Uhr durchgeführt werden. Die Wirkung verschiedener Lokalanästhetika-Konzentrationen (= Menge eines örtlichen Betäubungsmittels in einem Milliliter Flüssigkeit) und -Volumina (= absolute Flüssigkeitsmenge) kann besser beurteilt werden, da die Instillation (= Einbringung) jeweils am gleichen Ort erfolgt, was bei Single-shot-Injektionen (= einzeln verabreichte Einspritzungen, ohne Katheter) nicht gewährleistet ist, besonders wenn organisationsbedingt mehrere Ärzte an der Therapie beteiligt sind.

Eine Stellatumblockade in Form einer gangl ionären Opioidanalgesie (GLOA) (= statt einem örtlichen Betäubungsmittel wird eine morphiumähnliche Substanz verwendet) kann ebenfalls zur Schmerztherapie durchgeführt werden, ein Nachteil dieser Methode ist jedoch, daß damit keine wesentliche Durchblutungssteigerung erreicht wird.

   
   

Aktualisiert: 10.07.2006
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